Fernes Land, nahes Land

Fahrt von Riedlingen zurück nach Zwiefalten. Von Oberschwaben auf die Schwäbische Alb. Vorbei an Wald, Feldern und Wiesen.
Wie das Urbane zurückbleibt und übergeht ins Ländliche. Linker Hand taucht der Tautschbuch auf, ein lang gezogener, dicht bewaldeter Höhenzug.
Aus der Ferne erscheint der Wald dunkel und abwesend, doch innen ist er voller Musik: die Bienen, Laub, ein Ast, der unter den Schritten bricht.

Der immer gleiche Weg: Riedlingen, Daugendorf, Baach, Zwiefalten. Wie der Blick die Dinge einordnet, zuordnet, ausbreitet. Wie das, was hinter der nächsten Kurve kommt, auf befriedigende Weise meinen Erwartungen entspricht. Eine Zeile kommt mir in den Sinn: „Das Land auswendig lernen, gegen das Fremdsein.“

Das junge Getreide leuchtet im Licht der späten Sonne. Wie sich die Ähren im Wind bewegen, auf und ab, changieren, dabei die Farbe wechseln.
Nach der nächsten Kehre plötzlich der Kirchturm von Zwiefaltendorf wie eine Metapher. Man sieht nur den oberen Teil des schlanken Turms, geradeso als halte er sich mit Mühe über dem Wasser. Vom Rest des Dorfes sieht man nichts.

Dann weitet sich das Tal. Die Twin Towers des Klosters kommen ins Blickfeld. Auf der rechten Seite Baach, darüber, am Waldrand, die kleine Kapelle St. Peter. Die Kapelle des einsamen Liebhabers. Orsolya Kalász: „Ich weiß keine Antwort auf die Frage, warum man unerwidert lieben muss.“

Dann Zwiefalten, der Penny, das Zentrallager der Brauerei. Das Bier, das immer leicht nach Zitrone und Muskatnuss schmeckt. Die Störche, wie sie mit ihrem Nest auf dem Dach des Rathauses balancieren. Alexander Calder?

Am Ortsende rechts den Berg hinauf auf den Zauberberg, nach Loretto. Es ist Donnerstagabend, ein langes Wochenende in der Bäckerei steht bevor. Die nächsten Tage werde ich in der Nacht nicht mehr als 3 Stunden schlafen. Aber ich habe ein Rüstzeug, das mich noch eine Weile tragen wird, vielleicht ein ganzes Leben: Das was ich mache, ist das, was ich will.

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5 Gedanken zu “Fernes Land, nahes Land

  1. das berührt mich, wie du den weg beschreibst! zumal ich die gegend kenne. ich fahre oft, von münchen/ulm/ehingen kommend, über datthausen, zwiefaltendorf, baach, zwiefalten nach gammertingen hinauf. in riedlingen bin ich zur schule gegangen. ja, für mich ist diese gegend „heimat“, auch wenn ich seit vielen jahren woanders lebe. – lieben gruß!

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